Veganer Traumurlaub auf Amrum an der Nordsee

Am Meer wollten wir unsere Flitterwochen verbringen, am liebsten auf einer Insel. So ging ich auf virtuelles Insel-Hopping, bis ich Amrum fand, eine nordfriesische Inselschönheit in Schleswig-Holstein. Mit ihren rund 20 Quadratkilometern ist die Nachbarin Sylts überschaubar und wunderbar ruhig, genau das, was wir suchten. Landschaftlich ist Amrum faszinierend: Küste, Wattenmeer, Dünen, Heiden und Wälder wechseln sich ab und bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. 

Vor allem Naturfreunde werden sich hier wohl fühlen, gibt es doch überall auf der Insel Vogelschutzgebiete. Dort und direkt am Ufer sind unter anderem Küstenseeschwalben, Austernfischer, Eiderenten, Brandgänse und natürlich verschiedene Möwenarten zu erblicken. Wir hatten zudem das Glück, einige Vögel auf der Durchreise in den Süden zu beobachten, zum Beispiel Knutts und Sanderlinge. Oft sind auch Fasane zu sehen, zudem leben hier gefühlt mehr Kaninchen als Menschen, schließlich haben die fünf Inseldörfer Wittdün, Nebel, Norddorf, Süddorf und Steenodde insgesamt nur etwa 2200 Einwohner. Wir entschieden uns für eine Ferienwohnung im jüngsten Inselort, Wittdün an der Südküste direkt am Hafen.

Anreisen, Radeln, Wandern, Sehen & Erleben

Angereist sind wir aus Nürnberg mit dem Flieger über Hamburg, dann weiter mit dem Zug und der Fähre. Auf amrum.de finden sich hilfreiche Tipps zu den verschiedenen Anreisemöglichkeiten und zu allem, was es auf der Insel zu sehen und erleben gibt. Wir waren hauptsächlich zu Fuß unterwegs, das beliebteste Fortbewegungsmittel ist wohl das Fahrrad, das sich vielerorts leihen lässt. Autos (darunter ein Minimobil zum Leihen), Taxis und einen Bus gibt’s ebenfalls. Empfehlen können wir die Fahrt mit der Inselbahn, eine anekdotenreiche Entdeckungstour. Das Wahrzeichen der Insel ist der Leuchtturm, auf den wir bis zur letzten der 297 Stufen emporstiegen – und es lohnte sich. Interessant ist auch die denkmalgeschützte Mühle in Nebel, die in ein Museum verwandelt wurde. Regelmäßig werden Führungen durch das Watt und die Vogelschutzgebiete angeboten, in Norddorf kann man Minigolfen und ins Kino gehen, abends werden oft Lesungen oder Live-Musik geboten oder Theaterstücke aufgeführt und für die Unterhaltung der Kleinsten ist auch mit vielen Programmangeboten gesorgt.

Vegane Einkaufsvielfalt im Bioladen und bei Edeka

Gleich vier Edekas und ein Biomarkt sichern die vegane Versorgung auf Amrum. Die größte Auswahl gibt’s in Wittdün, dort stehen der Amrumer Zentralmarkt, der Frischemarkt Marcussen (beide Edeka) und die Biodüne quasi Fassade an Fassade. Hinter der Biodüne verbirgt sich ein bestens sortierter Bioladen mit vegankundigen Mitarbeitern, der neben viel frischem Obst und Gemüse aus Bioanbau und allerlei Grundnahrungsmitteln wie Nudeln, Müsli und Co. jede Menge vegane Aufstriche, verschiedenste pflanzliche Milch- und Sahnesorten, Fertigprodukte wie Frühlingsrollen und Bratlinge sowie vegan gekennzeichnete Weine und ein nicht zu verachtendes Sortiment an Süßigkeiten, Schokolade und Naturkosmetik anbietet. An der Theke gibt’s zudem täglich frisches Biobrot, vegane Gebäckstücke und deftige Frikadellen.

Beeindruckt waren wir von dem Angebot des Zentralmarkts in Wittdün: viel Bio-Obst- und -Gemüse, ein riesiges Alnatura-Regal mit allerlei rein pflanzlichen Köstlichkeiten, Wilmersburger-Käse, Steaks, Wurst, Hummus und mehr von der Edeka-Eigenmarke, die knusprigen Gemüsestäbchen von Iglu und so ziemlich alles andere, was wir Pflanzenfresser zum Überleben brauchen. 

 

Etwas spärlicher, aber trotzdem noch ausreichend fällt das Sortiment in den Edekas in Nebel und Norddorf aus. Warum es sich sehr lohnt, dem Frischemarkt in Wittdün einen Besuch abzustatten, erfuhr ich bei einem gezielten Griff ins Weinregal: Eine ganze Reihe bioveganer Tropfen, gut gekennzeichnet, den Namen hab ich leider weggespült, aber die Flaschen sind eigentlich nicht zu übersehen.

 

Selbstverpflegung in der Ferienwohnung

Von unserer liebevoll eingerichteten Ferienwohnung im Herzen Wittdüns konnten wir den Wechsel der Gezeiten verfolgen und viele Seevögel beobachten, an einem Abend besuchte uns sogar ein Reiher, während wir uns ein einfaches aber schmackhaftes Menü aus Falafelbällchen mit CousCous und Hummus schmecken ließen. Auf unserem Urlaubstisch landeten außerdem Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Gnocchi mit Pfifferling-Hafersahne-Soße, Steak-Toast, Frühlingsrollen mit Dip, Stampfkartoffeln mit Gemüsestäbchen und Tortellini mit Tomatensoße. Als Frühstück auf unserer Terrasse direkt am Wattmeer ließen wir uns Brötchen und Toast mit verschiedenen Aufstrichen, Marmelade, Erdnussbutter, Wilmersburger und veganer Wurst schmecken, nebst einem Original-Friesentee mit einem guten Schuss Pflanzenmilch. Bei den gut sortierten Läden der Insel war es wirklich einfach, das eine oder andere Gericht zu improvisieren.

Die Kaffeeflut – Wittdüns vegane Oase

Eine angenehme Überraschung erlebten wir gleich am ersten Abend, als wir durch die Inselstraße in Wittdün schlenderten. In Lauf-, ach was in Hüpfdistanz zu unserem Apartment, entdeckten wir die Kaffeeflut und bekamen den Mund gar nicht mehr zu vor Staunen über die riesige vegane Auswahl auf der Karte des angesagten Cafés: vegane Kartoffelwaffeln mit Avocadodip, süße vegane Waffeln mit verschiedenen Toppings zur Auswahl, mittags wechselnde vegane Suppen, zum Frühstück vegane Pancakes mit Ahornsirup oder roter Grütze und ein reichhaltiges Arrangement aus Brötchen mit Aufstrichen, Konfitüre und Obstsalat, viele vegane Fruchteissorten und dazu Cappuccino, Latte Macchiato und Co. mit Soja- und Mandelmilch, alles super übersichtlich gekennzeichnet. Logisch, dass wir dort einige Male schlemmen waren! Innen ist es szenig-gemütlich und außen auf der großen Terrasse kuschelten wir uns in die Strandkörbe. Eindeutig unser Lieblings-Café auf Amrum und ein wirklich unverhoffter Fund, da ich mir im Voraus nahezu alle Lokale der Insel online angeschaut hatte – die Kaffeeflut auf ihrer Web- und Facebook-Seite aber noch kein Sterbenswörtchen darüber verraten hatte, was sie alles Leckeres anbietet.

Rein pflanzliche Pizza und Pasta in der Keksdose

Ebenfalls direkt bei uns im Ort in der Inselstraße am Hafen gibt’s die Keksdose Vegan ist für die Mitarbeiter dieser netten Mischung aus Bistro und Pizzeria kein Fremdwort und der Pizzateig wird ganz traditionell ohne Ei hergestellt, sodass sich ganz leicht eine Pizza ohne Käse bestellen und vielfältig belegen lässt, zum Beispiel mit Champignons, Knoblauch, Spinat, Mandeln, Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Oliven, Kartoffeln, Ananas, Kapern, Datteln, Jalapeños, Tomatenscheiben oder Rucola. Außerdem gibt’s Nudeln mit Tomatensoße, Salate und noch einige weitere Gerichte, die wir aber nicht alle zu essen schafften. Die Cocktails sind ebenfalls sehr zu empfehlen!

 

Veganes Gourmetmenü im Hotelrestaurant Seeblick

Unser persönliches kulinarisches Highlight war ein Abendessen im Seeblick, dem Restaurant des 4-Sterne-Genuss- und Spa-Resorts in Norddorf. Hier wird in stilvollem Ambiente gehobene Küche serviert, was man schon auf der Website an der langen Liste der Sterne-Restaurants sieht, in denen die hier beschäftigten Köche gelernt haben. Davon, dass sie auch in der veganen Küche ihr Handwerk bestens beherrschen, überzeugten wir uns am eigenen Gaumen. Zu den aus regionalen und saisonalen Zutaten komponierten Speisen zählen stets auch einige vegan gekennzeichnete, genug, um die Entscheidung nicht allzu leicht zu machen. Den Anfang unseres 4-Gänge-Menüs bildete Brot mit erlesenem Olivenöl zum Dippen, diesen Gang gab es auf’s Haus. Es folgten ein Süßkartoffel-Avocado-Turm mit Salzwiesenkräutern und als Hauptgang für mich „Steckrübe & Karotte“, ein Gedicht aus „Brot & Eingewecktem von der Möhre, Püree und Ragout von der Steckrübe und Erdnüssen“, während mein Mann hellauf begeistert von den Schupfnudeln mit Amrumer Kürbis war. Als Dessert ließen wir uns hausgemachtes Sorbet mit Beerenragout in den raffinierten Sorten Sanddorn-Karotte und Pflaume schmecken. Der Service war sehr freundlich und zuvorkommend, wie man es bei einem Restaurant dieser Preisklasse erwartet. Wer sich einmal richtig etwas gönnen möchte, ist im Seeblick bestens aufgehoben. Hier kann man nicht nur fürstlich speisen, sondern auch übernachten und sich mit verschiedensten Wellness-Behandlungen verwöhnen lassen.

 

Noch mehr vegane Entdeckungen und kreative Bestellungen

Beim Wandern über die Insel zog mich mein Spürsinn immer wieder zu den Speisekartenaushängen hin. So entdeckte ich unter anderem, dass das Friesen-Café in Nebel mit veganen Tagessuppen wirbt. Auf der einen oder anderen Karte stand sogar Algensalat als vegan-kompatibles maritimes Gericht. Allgemein ist die Küche Amrums natürlich stark vom Meer geprägt und sehr hausmannskostlastig. Die Insulaner, die wir als durchweg freundlich erlebten, gehen aber zumeist, soweit möglich, gern auf ihre „Badegäste“, wie sie uns Besucher nennen, ein und Kartoffeln sind hier ein absolutes Grundnahrungsmittel. Deshalb ist im Notfall einfach kreatives Beilagenkombinieren gefragt, Bratkartoffeln, Ofenkartoffeln oder Pommes sind meist vegan oder veganisierbar und ein bisschen Gemüse gibt’s auch in jeder Küche. Bei dieser Überlebensstrategie ist es günstig, selbst proaktive Vorschläge zu machen und genau aufzuzählen, was nicht auf dem Tellerchen landen sollte.

Für heitere Abende: die Whiskeybar Blaue Maus

Unangefochtener Ausgehtipp ist die Blaue Maus, Amrums urige, überregional bekannte Whiskeybar, die eine große und feine Auswahl hunderter Whiskey-Sorten bietet, viele davon von Janni, dem Inhaber, höchstpersönlich aus aller Welt auserkoren und auf die Insel verschifft. Tausende Produktanfragen über Whiskey und anderen Alkohol hat das Portal Barnivore gesammelt, dort findest du zu vielen Sorten Infos über ihre Klärung und Veganfreundlichkeit. Und natürlich gibt’s noch jede Menge mehr zu trinken als „nur Whiskey“, eindrucksvoll fanden wir vor allem die Fülle selbst ersonnener alkoholfreier Cocktails. 

 

Fazit: Amrums vegane Küche muss sich nicht hinter der Bilderbuchnatur verstecken! Wer weiß, wo es hier was zu Schlemmen gibt (und das weißt du ja jetzt von uns), wird hier nicht nur satt, sondern glücklich.